Text: Svitlana Prokopchuk
Wenn Menschen in ein neues Land ziehen, wenden sie sich fast automatisch den „Eigenen“ zu. Das ist eine natürliche Reaktion. Man sucht Sicherheit, eine verständliche Sprache und gemeinsame Erfahrungen. Doch hinter den äußeren kulturellen Unterschieden verbirgt sich oft ein sehr ähnlicher Weg: Migration, Anpassung, Unsicherheit und zugleich der Wunsch, die neue Gesellschaft zu verstehen und für andere nützlich zu sein.
Gerade diese Dualität – unterschiedliche Kulturen, aber ähnliche Erfahrungen ist eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig eine der größten Ressourcen für Integration. Aus diesem Verständnis heraus entstand die Idee des Integration Hackathon in Basel. Er wurde im Rahmen der Jugendplattform U.integration der USB Association mit finanzieller Unterstützung von Catapult Basel ins Leben gerufen.

Gemeinsamer Prozess und strukturierter Ansatz im Fokus
Der Integration Hackathon ist ein Raum, in dem junge Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichem kulturellem, beruflichem und persönlichem Hintergrund gemeinsam an konkreten Herausforderungen arbeiten. Unterschiede werden hier nicht verwischt, sondern bewusst genutzt. Sie werden zu einer Quelle neuer Ideen, Perspektiven und Lösungen.
Die Organisatorinnen und Organisatoren von U.integration Basel betonen, dass Migrantinnen und Migranten mit unterschiedlichen Erfahrungen Integrationsfragen auch unterschiedlich wahrnehmen. Genau das ermöglicht tragfähigere und nachhaltigere Lösungen. Manche verstehen sprachliche Barrieren besonders gut, andere kennen sich mit dem Zugang zu Bildung aus, wieder andere mit der Orientierung in komplexen Systemen und Dienstleistungen. Zusammengenommen entstehen ein Umfeld der Unterstützung, des Netzwerkens und des gegenseitigen Lernens.
Wie die Initiatorin des Projekts Anastasia Zaria erklärt, geht es beim Hackathon nicht nur um Kreativität, sondern auch um einen strukturierten Ansatz. Es wird mit realen Integrationsproblemen gearbeitet. Diese werden analysiert, Lösungen formuliert und die stärksten Ideen dabei unterstützt, weiterentwickelt zu werden.

Von der Teilnahme zur Mitgestaltung
Was diesen Ansatz besonders macht, ist der Übergang von bloßer Teilnahme zu echter Mitgestaltung. Junge Menschen nehmen nicht nur an Aktivitäten teil, sondern entwerfen sie selbst. Sie moderieren Diskussionen, leiten Arbeitsgruppen, koordinieren Partnerschaften und bringen ihre Ideen über einzelne Veranstaltungen hinaus weiter.
In diesem Prozess hört Integration auf, eine Checkliste zu sein, und wird zu einer Beziehung. Zu der Stadt, zu Institutionen und zwischen Menschen. Verantwortung, nicht bloße Unterstützung, wird zur stärksten Form der Einbindung.
Diese Haltung bringt die Präsidentin der USB Association und Coachin des Basler Teams, Olena Krylova, auf den Punkt. USB U.integration betrachtet junge Migrantinnen und Migranten nicht als Menschen, die Hilfe benötigen. Es ist ein Raum, in dem die eigene Stimme Gewicht hat und Ideen mit Verantwortung verbunden sind. Nicht Identität verbindet die Menschen, sondern die Bereitschaft, sich einzubringen und im Prozess zu bleiben, auch wenn es schwierig wird.

Von Ideen zu realen Initiativen
Am ersten Hackathon, der im Dezember 2025 stattfand, nahmen 18 Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen Ländern teil. Die Arbeit konzentrierte sich auf zentrale Themen der Integration. Dazu gehörten Sprache und Kommunikation, Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl, Bildung und Beschäftigung sowie der Zugang zu Informationen und die alltägliche Orientierung im Schweizer Kontext.
Wichtig ist, dass der Hackathon keine einmalige Veranstaltung ist. Die Teams präsentierten nicht nur ihre Ideen, sondern erhielten auch die Möglichkeit, ihre Initiativen weiterzuentwickeln. Dies geschieht durch Beratungen, Mentoring und Unterstützung bei der Vorbereitung von Förderanträgen. So werden Ideen zu praktischen Instrumenten, die die Integration in die Schweizer Gesellschaft beschleunigen. Sowohl für die Teilnehmenden selbst als auch für die gesamte Gemeinschaft.

Migrantinnen und Migranten als Entwicklungspartner
Der Integration Hackathon zeigt einen Wandel im Verständnis von Integration. Migrantinnen und Migranten sind nicht mehr nur Empfänger von Unterstützung, sondern aktive Mitgestaltende der städtischen Entwicklung.
Solche Formate fördern nicht nur den interkulturellen Dialog, sondern auch ein aktives zivilgesellschaftliches Umfeld. Vielfalt wird dabei als Wert wahrgenommen und nicht als Hindernis. Durch gemeinsames Handeln hört Integration auf, ein abstrakter Begriff zu sein, und wird zu einem lebendigen Prozess.
