Text: Svitlana Prokopchuk
Ein weiteres Panel des IntegraS-Forums in Zürich, dessen Partner die USB-Vereinigung war, widmete sich nicht nur der Frage, wie Flüchtlinge Arbeit finden können, sondern auch den Wegen, die sie zur beruflichen Integration führen. Es ging um berufsvorbereitende Bildung, spezialisierte Coaching-Programme und IT-Kurse. Der gemeinsame Nenner dieser Systeme war der menschliche Faktor – Vertrauen, Begleitung und Netzwerke.
Vorberufliche Ausbildung: „Brücke” zur Schweizer Lehrstelle
Barbara Nikles, Projektleiterin Integrationsvorlehre Mittelschul- und Berufsbildungsamt in Zürich, stellte das Programm Integrationsvorlehre vor – ein Übergangsformat für diejenigen, die keine Schweizer Schule besucht haben, aber eine Berufsausbildung absolvieren möchten. Das Programm verbindet Schule und Arbeit in einem Unternehmen: 1,5 Tage Unterricht und 3,5 Tage Praxis pro Woche. Es richtet sich an Jugendliche und Erwachsene im Alter von 15 bis 40 Jahren mit Deutschkenntnissen mindestens auf dem Niveau A2.2 und bereitet auf eine zwei- oder dreijährige Berufsausbildung vor. „Dies ist nur eines von vielen Übergangsangeboten im Kanton Zürich, aber ein sehr wichtiges“, sagt Barbara Nikles. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen, die nicht im Schweizer System aufgewachsen sind, den Weg in die Berufsausbildung zu ebnen.“ Die Ergebnisse sind beeindruckend: 82 % der Absolventen wechseln in eine Lehrstelle. Unter den Teilnehmern sind auch Flüchtlinge mit S-Status. Das bedeutet eines: Der klassische Schweizer Weg über die Berufsausbildung steht auch Flüchtlingen offen, erfordert aber eine gut strukturierte „Brücke“.

Capacity: Wie man in den Beruf zurückkehrt
Isabel Brücher, General Management bei Capacity, stellte eine andere Realität vor – Menschen, die bereits über eine Ausbildung und Erfahrung verfügen. Ihre Organisation Capacity arbeitet mit hochqualifizierten Migranten und Flüchtlingen zusammen und hilft ihnen, in den Beruf zurückzukehren. Das Programm kombiniert Gruppenunterricht, Coaching und Networking. „Wir schaffen einen Raum, in dem die Teilnehmer nicht nur Wissen erwerben, sondern auch Kontakte zu Arbeitgebern knüpfen können”, erklärt Brücher. Der entscheidende Indikator: 50-60 % der Teilnehmer finden innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren eine Stelle in ihrem Beruf. Und eine wichtige Anmerkung: Der S-Status mindert die Chancen nicht – für Arbeitgeber sind nicht die Papiere entscheidend, sondern die Kompetenzen – vorausgesetzt, jemand hilft dabei, Talente und Markt zusammenzubringen.
Powercoders: Wenn IT zum „Schnellaufzug“ wird
Susanne König von Powercoders spricht die Sprache des Codes und der Start-ups. Ihr Programm ist ein dreimonatiges IT-Bootcamp in englischer Sprache, nach dem die Teilnehmer ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum absolvieren. „Das Ziel des Programms ist es, erste Berufserfahrungen zu sammeln“, sagt Susanne König. „Und nach nur wenigen Jahren arbeiten etwa 70 % der Absolventen im IT-Bereich.“ Die Teilnahme ist kostenlos, die Kosten werden vom Kanton, den Gemeinden und Geschäftspartnern übernommen. Hier kommt ein anderes Integrationsprinzip zum Tragen: Wenn jemand talentiert ist, kann ein schneller Zugang zu einem Praktikum seine Zukunft innerhalb eines Jahres verändern.
Ein lebendiges Beispiel für Erfolg
Olena Bagri ist Absolventin von Powercoders und ein leuchtendes Beispiel für erfolgreiche Integration. Ihr Weg ist für viele klassisch: über 150 Bewerbungen verschickt – und keine einzige Antwort. „Erst als ich in das Programm aufgenommen wurde, kam es zu einem echten Kontakt mit einem Arbeitgeber“, sagt sie. „Und genau das hat alles verändert .“ Jetzt arbeitet sie bei Swisscom. Englisch (Arbeitssprache des Teams, Deutsch) für die Integration in den Alltag. Ihre wichtigste Erkenntnis ist einfach: Man sollte nicht blindlings nach Arbeit suchen, sondern sich Netzwerke und Förderprogramme zunutze machen.

Coaching als Schlüsselmechanismus
Micha Weiss von Ingeus AG Zürich zeigte, wie wichtig eine systematische Begleitung ist. In ihrem Programm für Ukrainer finden 70 % der Kunden erfolgreich Zugang zum Arbeitsmarkt, mehr als vom Staat gefordert. Dies bestätigt einmal mehr: Integration ist nicht nur eine Frage der Wirtschaft, sondern auch der menschlichen Beziehungen, des Vertrauens und der Unterstützung.
Rückblick
Das Hauptmerkmal des Schweizer Integrationsmodells: Es ist nicht eindimensional. Hier koexistieren drei Ansätze: ein strukturierter Weg in die Berufsausbildung, die Rückkehr hochqualifizierter Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt und schnelle digitale Lösungen mit Praxisbezug. Aber alle drei funktionieren nur, wenn Begleitung, Netzwerk und Vertrauen vorhanden sind.