Im Rahmen der Fortsetzung der Kampagne „Solidarität auf Rädern“: Drei weitere Busse sind von Bern nach Trostjanez aufgebrochen.

Im Rahmen unserer Kampagne „Solidarität auf Rädern“ berichten wir weiterhin über Unterstützung, die zu konkreten Taten wird. Weitere drei Busse sind von Bern nach Trostjanez aufgebrochen. Besonders in diesen Tagen gewinnt das Symbol der unerschütterlichen Solidarität mit der Ukraine eine tiefe Bedeutung.

Am 4. Jahrestag des Beginns des umfassenden Krieges fand in Bern ein exklusives Interview von USB Media und Svitlana Prokopchuk mit dem Bürgermeister von Trostjanez, Jurij Bowa, statt. Er befand sich zu einem Arbeitsbesuch in der Schweiz und nahm die Fahrzeuge persönlich für seine Gemeinde entgegen.

Verkehr durch den Krieg zerstört

Vor der großangelegten Invasion verfügte Trostjanez über einen eigenen öffentlichen Nahverkehr. Doch im Februar–März 2022 geriet die Stadt unter russische Besatzung. Der gesamte kommunale Verkehr wurde beschädigt oder zerstört.

„Heute ist der gesamte Verkehr, den wir hatten, während der Besatzung 2022 beschädigt worden. Russische Truppen hielten sich einen Monat in Trostjanez auf und zerstörten unsere Busse. Deshalb sind wir nun gezwungen, weltweit nach Möglichkeiten zu suchen, den Transport für unsere Menschen wiederherzustellen“, sagt Bowa. Gerade deshalb ist die Hilfe der Schweizer Partner für die Gemeinde von entscheidender Bedeutung geworden.

45 Kilometer von der Grenze und ein Monat Besatzung

Trostjanez liegt nur 45 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Russische Truppen marschierten bereits am 24. Februar 2022 – faktisch ohne Gefecht – in die Stadt ein. Große Militärkolonnen, darunter Einheiten der Ersten Panzerarmee der Russischen Föderation, bewegten sich durch Trostjanez. In jeder Kolonne befanden sich Dutzende Panzer, Schützenpanzer und Militärfahrzeuge.

Der Plan des Feindes bestand darin, Kyjiw schnell einzunehmen, und einer der Angriffswege führte durch Trostjanez. Nachdem es jedoch nicht gelang, die Hauptstadt innerhalb weniger Tage zu erreichen, blieben die russischen Truppen in der Stadt, richteten dort Stäbe ein und blieben bis zum 25. März stationiert.

Folter, Morde, Plünderungen

Nach Angaben des Bürgermeisters war die Besatzung für die Gemeinde ein wahrer Albtraum. 49 Zivilisten kamen in der Stadt ums Leben. Unter dem Bahnhof befand sich eine Folterkammer. Menschen wurden entführt, gefoltert und erschossen.Etwa 1.200 Objekte wurden beschädigt oder zerstört, darunter 800 Privathäuser. Menschen wurden nachts bei Frost aus ihren Wohnungen vertrieben, damit russische Soldaten dort untergebracht werden konnten. Die Stadt wurde massiv geplündert: Geschäfte, Banken, Apotheken und Verwaltungsgebäude.„Wir fanden im Rathaus keinen einzigen unbeschädigten Computer. Sie nahmen alles mit – von Technik bis hin zu Kindergeschirr in den Kindergärten“, berichtet Bowa.

Nach der Befreiung wurde im Gebäude des Stadtrats das Tagebuch eines russischen Soldaten gefunden, in dem er die Plünderungen beschrieb und zugab, dass Soldaten Geschäfte ausgeraubt hatten. Die Aufzeichnungen belegen das Ausmaß der Plünderungen und den moralischen Zerfall der Besatzer. Während organisierter „grüner Korridore“ nahmen russische Soldaten den Menschen ihre Telefone ab, um mögliche Beweise ihrer Verbrechen zu vernichten. Einige Männer wurden in unbekannte Richtung verschleppt. Als Trostjanez am 25. März 2022 befreit wurde, glich das Stadtzentrum einer Müllhalde: verstreute Dokumente, aufgebrochene Türen, geplünderte Einrichtungen, zerstörtes Eigentum.„Es war ein Horror für die Zivilbevölkerung. Aber wir haben standgehalten“, sagt der Bürgermeister.

Anhaltende Solidarität

Symbolisch ist, dass der Besuch in Bern in jene Tage fällt, an denen die Ukraine des vierten Jahrestages des Beginns des umfassenden Krieges gedenkt. Jurij Bowa betont, dass es ohne internationale Unterstützung für die Ukraine deutlich schwieriger gewesen wäre standzuhalten. „Diese Widerstandskraft an der zivilen Front ist mit internationaler Unterstützung verbunden. Ohne Hilfe bei der Aufnahme von Geflüchteten sowie humanitäre und militärische Unterstützung wäre es für die Ukraine viel schwieriger gewesen. Wir sind jedem Partner dankbar“, betonte er. Die übergebenen Busse sind nicht nur Transportmittel. Sie sind ein Beispiel dafür, dass die europäische Solidarität mit der Ukraine auch nach Jahren des Krieges nicht verschwindet. Sie setzt sich fort – in konkreten Entscheidungen, Hilfe und Taten. Schon bald werden weitere drei Busse auf den Routen von Trostjanez unterwegs sein – einer Stadt, die Besatzung, Verluste und Zerstörung erlebt hat, aber weiterlebt, sich erholt und voranschreitet.

Die Erinnerungen von Jurij Bowa an die Zeit der Besatzung können hier angesehen werden:
https://www.youtube.com/watch?v=WN-FqOtdVUg&t=3s

Das vollständige Interview hören Sie in der Sendung „Ukrainische Welle“ auf Radio Rabe am 5. März 2026 um 19:00 Uhr oder unter: https://rabe.ch/ukrainische-welle

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