Text: Svitlana Prokopchuk
An der Veranstaltung nahmen Vertreter von Bundes- und Kantonsbehörden, Arbeitsämtern, Integrationsstrukturen sowie des Privatsektors teil, um praktische Herausforderungen, Unterschiede zwischen den kantonalen Ansätzen und Lösungsansätze zu diskutieren.
Wie die Moderatorin Svitlana Prokopchuk betonte, „ist eine Integration dann erfolgreich, wenn Arbeitgeber und Flüchtling einen Arbeitsvertrag unterzeichnen“. Hinter dieser einfachen Formel verbirgt sich ein komplexer Mechanismus: Der Erfolg hängt von der Zusammenarbeit vieler Institutionen ab, von städtischen Behörden bis hin zum privaten Sektor, sowie von der Bereitschaft des Bewerbers selbst.

Bei der Analyse der Beiträge der Experten wird deutlich, dass das Schweizer Integrationsmodell auf einem ganzheitlichen Ansatz basiert, der staatliche Unterstützung, personalisierte Ausbildungsprogramme und engen Kontakt zu Arbeitgebern miteinander verbindet. Nina Gilgen, Integrationsdelegierte & Leiterin Fachstelle Integration im Kanton Zürich, betonte, dass gerade dieses «Angebotssystem» es Flüchtlingen ermöglicht, sich schneller zu integrieren und Arbeit zu finden, aber gleichzeitig erfordert es eine ständige Skalierung und Koordination.
RAV und die Rolle der Koordination
Stéphane Ribeaud, RAV-Koordinator, Amt für Arbeit, Kanton Zürich, betonte die Bedeutung einer ständigen Verbindung zu den Arbeitgebern: „Wir organisieren Informationsveranstaltungen, bei denen Unternehmen Kandidaten finden und verstehen können, welche Möglichkeiten für die Einstellung von Flüchtlingen bestehen.” Gleichzeitig decken seine Worte ein systemisches Problem auf: Trotz der Offenheit der Schweizer Unternehmen verfügen diese oft nicht über ausreichende Informationen über die Kompetenzen der Arbeitssuchenden. Daher können selbst hochqualifizierte Kandidaten übersehen werden, wenn es keine Mechanismen gibt, um ihre Fähigkeiten zuverlässig darzustellen.

Privatwirtschaft und personalisierter Ansatz
Vertreter von AOZ und Adecco zeigten, wie die Rekkrutierung in der Praxis funktioniert. Kaspar Schneider, Leiter Integrationsbegleitung / Job-Coaching, AOZ, erklärte, dass jeder Kandidat einer Potenzialbewertung unterzogen wird und einen individuellen Integrationsplan erhält, der Sprachkurse und berufliche Schulungen umfasst. Lora Odoni, Area & Branch Manager bei The Adecco Group, fügte hinzu, dass eine effektive Integration ohne die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten – Staat, Coaches und Arbeitgeber – nicht möglich sei.
Die Analyse des Autors zeigt, dass genau diese mehrstufige Struktur der Schlüssel zum Erfolg ist: Die Kombination aus persönlichem Ansatz und systematischer Unterstützung ermöglicht es, die Kluft zwischen dem hohen Bildungsniveau der Flüchtlinge und den Anforderungen des Schweizer Arbeitsmarktes zu verringern.
Herausforderungen für hochqualifizierte Flüchtlinge
Die Diskussion brachte ein weiteres wichtiges Problem ans Licht – den sogenannten Effekt der „Overqualification”. Wie Adrian Gerber, Beauftragter Arbeitsmarktintegration EJPD, betonte, „finden hochqualifizierte Arbeitssuchende oft keine passende Stelle, weil Arbeitgeber Ihre Qualifikation nicht kennen und einschätzen können ”. Dies führt zu einem Paradoxon: Das Land verfügt über talentierte Menschen, aber Bürokratie und mangelndes Vertrauen schränken ihr Potenzial ein.Hier muss ein Gleichgewicht zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und der Bereitschaft der Flüchtlinge gefunden werden, Praktika oder befristete Stellen anzunehmen, um so Arbeitserfahrungen und Arbeitszeugnisse zu erwerben und sich schrittweise hochzuarbeiten. Dieser Kompromiss ebnet den Weg für eine dauerhafte Integration und verringert gleichzeitig die Risiken für die Unternehmen.

Sprachkompetenz und soziale Integration
Nicht weniger wichtig sind Sprache und kulturelle Anpassung. Odoni betonte, dass Sprachkenntnisse selbst auf dem Niveau B1 „viel mehr Türen öffnen als mangelnde Kommunikationsfähigkeit“. Sie fügte hinzu, dass soziale Netzwerke und die Teilnahme an lokalen Vereinen und Veranstaltungen nicht nur beim Erlernen der Sprache helfen, sondern auch die Grundlage für die berufliche Integration bilden. Dies bestätigt einen globalen Trend: Eine Integration in das Berufsleben ist ohne eine echte soziale Integration nicht möglich.
Strukturelle Probleme und systemische Barrieren
Die Podiumsdiskussion ging auch auf strukturelle Herausforderungen ein: das Fehlen einer modernen Familienpolitik, der Mangel an psychiatrischer Versorgung, Probleme mit Rassismus und unzureichende Kommunikation über den S-Status. Wie Nina Gilgen feststellte, „können Arbeitgeber oft nicht einschätzen, wie lange Menschen mit S-Status bleiben werden“, was zusätzliche Hindernisse für die Beschäftigung schafft. Diese strukturellen Probleme zeigen also, dass selbst die besten Integrationsprogramme systemische Mängel nicht vollständig ausgleichen können. Eine erfolgreiche Integration erfordert daher gleichzeitig Maßnahmen auf politischer Ebene und auf der Ebene konkreter Fälle.
Anstelle eines Nachworts
Das Panel zeigte, dass die Integration von Flüchtlingen in den Schweizer Arbeitsmarkt möglich, aber schwierig ist. Der Erfolg hängt von drei Faktoren ab. Erstens von der Information du Transparenz – Arbeitgeber müssen klare Informationen über die Qualifikationen und den Status der Flüchtlinge haben. Wichtig ist auch eine personalisierte Unterstützung – Jobcoaching, Sprachkurse und Praktika ermöglichen es, die tatsächlichen Kompetenzen der Bewerber zu zeigen. Gleichzeitig darf die soziale Integration nicht vergessen werden – die Teilnahme an Vereinen und Netzwerken beschleunigt die Anpassung und hilft dabei, Kontakte zu knüpfen, die oft entscheidend für die Arbeitssuche sind.
Moderatorin Svitlana Prokopchuk fasste zusammen: „Erfolgreiche Integration ist nicht nur eine Frage von Dokumenten und Programmen, sondern auch des ersten Kontakts, des Vertrauens und der Bereitschaft aller Seiten, zusammenzuarbeiten.“ Dieser Prozess erfordert Zeit, Geduld und die gegenseitige Bereitschaft zu Kompromissen, aber er ist der einzige Weg für eine echte Integration von Flüchtlingen in die Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft.