Für viele ukrainische Frauen, die mit Status S in die Schweiz gekommen sind, ist der Weg in die Beschäftigung keine einfache Frage des Stellensuchens. Es geht darum, einen unbekannten Arbeitsmarkt zu verstehen, ein neues Rechts- und Verwaltungssystem zu navigieren, Sprachbarrieren zu überwinden — und vor allem das Vertrauen wiederzugewinnen, dass der nächste Schritt möglich ist.
Genau hier setzt das USB-Projekt „Jobs für ukrainische Frauen» an. Im Kanton Bern umgesetzt und mit einem Gesamtbudget von CHF 20.000 ausgestattet, verbindet das Projekt Information, individuelle Begleitung und direkte Kontakte zu Arbeitgebern — mit dem Ziel, Frauen den Übergang von der Sozialhilfe in eine nachhaltige Beschäftigung zu ermöglichen.
Frauen dort erreichen, wo sie sind.
Das zentrale Informationsmedium des Projekts ist der Telegrammkanal @usbrobota, der inzwischen über 1.170 Abonnentinnen zählt und regelmäßig zu den Themen Arbeit, Weiterbildung und Selbstständigkeit bespielt wird. Ergänzt wird dies durch eine Reihe von Aufklärungsvideos und Webinaren, die zusammen Zehntausende von Menschen erreicht haben. Ein Webinar zu den wichtigsten Fragen der Beschäftigung von Ukrainerinnen in der Schweiz wurde 2.700 Mal aufgerufen. Ein Video zum Thema Weg von der Sozialhilfe erreichte 1.500 Zuschauerinnen. Inhalte zu Lehrstellen, zum Schweizer Arbeitsmarkt, zum Status S sowie zur Selbstständigkeit wurden insgesamt vielfach gesehen.
Eine Google-Datenbank mit Arbeitssuchenden — überwiegend Frauen mit medizinischem, sozialem oder pädagogischem Hintergrund — umfasst inzwischen über 100 Einträge und bildet die Grundlage für eine gezielte Vermittlung an potenzielle Arbeitgeber.
Konkrete Unterstützung — individuell und kollektiv
Das Projekt hat über 400 Einzelberatungen durchgeführt: zu allgemeinen Beschäftigungsfragen, zur Selbstständigkeit, zur RAV-Anmeldung und zu finanziellen Fragen bei den Sozialdiensten. Frauen, die behinderte Angehörige pflegen, erhielten gezielte Unterstützung bei der Bewerbung für Pflegeprogramme. Lehrerinnen kamen in den Genuss von 15 Stunden Fachberatung zur Beschäftigung im Bildungsbereich. Ein privater Beratungskanal, eingerichtet von Lyudmila Kashtalyan, bietet fortlaufend persönliche Begleitung.
Einen besonders wirkungsvollen Schwerpunkt bildet der Gesundheitsbereich — ein Sektor, in dem Schweizer Arbeitgeber dringend Fachkräfte suchen und in dem viele ukrainische Frauen über einschlägige Qualifikationen verfügen. Zwanzig Kandidatinnen mit medizinischem Hintergrund und Deutschkenntnissen auf dem Niveau B1–B2 wurden an das Rotkreuz-Programm zur Diplomanerkennung und Beschäftigung in der Pflege vermittelt. Das Projekt hat zudem 30 Bewerbungen von medizinischem Personal für das Rotkreuz-Programm bearbeitet, Auswahlgespräche durchgeführt und sich mit dem ukrainischen Gesundheitsministerium bezüglich der Ausstellung von Registrierungsbescheinigungen für Krankenpflegerinnen abgestimmt, die in der Schweiz eine Diplomanerkennung anstreben.
Partnerschaften mit Spitex-Organisationen im Kanton — darunter Spitex Verband Kanton Bern, Spitex Stadt Bern, Spitex Köniz und BelleVie Suisse AG — haben den Weg für Praktika und Schnuppertage geöffnet. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz hat diese Möglichkeiten weiter ausgebaut.
Vernetzung im System
Das Projekt arbeitet nicht im Alleingang. USB hat an der Koordinierungsplattform zwischen ukrainischen NGOs und Adrian Gerber, dem Beauftragten für Arbeitsmarktintegration im Kanton Bern, teilgenommen. Gemeinsam mit RAV und BIZ wurden Informationskampagnen gestartet. Das Projekt wurde beim IntegraS Forum in Bern vorgestellt — mit einem Workshop zu praktischen Aspekten der Beschäftigung und des Übergangs weg von Sozialleistungen.
Neun dokumentierte Eintritte in den Arbeitsmarkt — und viele weitere
Neun Projektteilnehmerinnen konnten nachweislich in den Arbeitsmarkt eintreten. Viele weitere haben angegeben, von der Projektbegleitung profitiert zu haben — ihr konkreter Beschäftigungsstatus ist derzeit noch nicht erfasst. Hinter den Zahlen stehen individuelle Geschichten.
Oksana fand ihren Weg in die Pflege über einen Schnuppertag, der ihr — wie sie selbst sagt — ermöglicht hat, langwierige Korrespondenz, die Angst vor Arbeitgebern und das Warten auf eine Rückmeldung zu umgehen. „Initiative und die richtige Unterstützung von Organisationen können selbst in schwierigen Lebenssituationen neue Möglichkeiten eröffnen», sagt sie. Ihr Beispiel hat inzwischen andere ukrainische Frauen in ihrem Umfeld dazu gebracht, nach weiteren Schnuppertagen zu fragen.
Olena kam im März 2022 in die Schweiz und begann im Mai mit dem Deutschlernen. Wissen allein, so stellte sie fest, reichte nicht aus.
Psychotherapeutische Beratungen mit Svitlana Manzer gaben ihr den entscheidenden Impuls, Zweifel und Unsicherheiten zu überwinden. „Wenn man an sich glaubt und an sich arbeitet», resümiert sie, „stehen keine Ängste dem Erfolg im Weg.»
Vitalina begann mit einer 20-Prozent-Stelle, ein paar Stunden pro Woche in der Arbeit mit Kindern. Daraus wurde mehr. Heute arbeitet sie viermal pro Woche und hat ein Arbeitszeugnis erhalten — ein Dokument, das ihr weitere Türen in der Kinder- und Bildungsarbeit öffnet. In der Ukraine erwarb sie zwei Hochschulabschlüsse in Wirtschaftswissenschaften. In der Schweiz baut sie etwas Neues auf.
Beschäftigung als Integration
Was das Projekt sichtbar macht, ist etwas, das USB seit Langem vertritt: Beschäftigung ist keine Nebenspur der Integration. Sie ist Integration. Für Frauen, die unter ungeplanten Umständen in die Schweiz gekommen sind, ist eine Arbeitsstelle nicht nur Einkommen. Sie ist Struktur, Würde, soziale Einbindung — und der Beginn eines Lebens, das wirklich ihres ist.
Das Projekt geht weiter.