Die Karte finden: Decode Switzerland und der Einsatz für Social Media

 U.integration Basel / CATAPULT-Projekt

An einem kürzlichen Nachmittag in Basel saß eine kleine Gruppe um einen Tisch mit Laptops, Haftnotizen und einem gemeinsamen Instagram-Account, der gerade die Marke von 100 Followern überschritten hatte. Das Team von U.integration plante ansprechende Social-Media-Inhalte – überlegte, was gepostet werden soll, wann gepostet werden soll und wie man über das Schweizer Bildungssystem und lokale politische Strukturen so sprechen kann, dass es junge Migrant:innen, die sie erreichen wollen, tatsächlich anspricht.

Es war, gemessen an allem, eine ganz gewöhnliche Planungssitzung. Aber zugleich war es auch ein gutes Beispiel dafür, wo Decode Switzerland derzeit steht: ein Projekt mit einer klaren Idee und einem realen Publikum, das noch aufgebaut werden muss, und noch in einer frühen Phase, in der der Ansatz in Echtzeit entwickelt wird.

„Wir wissen, dass junge Menschen in den sozialen Medien unterwegs sind und dass sie nach praktischen Informationen darüber suchen, wie die Dinge hier funktionieren“, sagt Anna, Projektkoordinatorin bei U.integration Basel. „Was wir gerade herausfinden, ist, wie wir sie auf eine Weise erreichen können, die einfach ist, aber sich relevant anfühlt – nicht wie ein weiteres Integrationsmerkblatt, sondern etwas, das sie tatsächlich speichern und mit Freund:innen teilen würden.“

Worum es in dem Projekt geht

Decode Switzerland ist Teil von CATAPULT, einem europäischen Programm zur Unterstützung der Integration junger Menschen. Die Grundidee ist recht einfach: Junge Migrant:innen in Basel haben oft die Motivation, am Leben in der Schweiz teilzunehmen – in Bildung, Gemeinschaft und zivilgesellschaftlichen Prozessen. Was ihnen jedoch fehlt, ist die grundlegende Orientierung, die Gleichaltrige, die in der Schweiz geboren sind, nach und nach erwerben – durch Schule, Familie und einfach dadurch, dass sie hier aufwachsen. Das Projekt versucht, einen Teil dieser Orientierung zu vermitteln, und zwar über drei Schwerpunkte: Social Media, Dialogveranstaltungen und Lernspiele.

Der Social-Media-Bereich, aufgebaut rund um den Instagram-Account @u.integration.basel, ist derzeit der sichtbarste Teil von Decode Switzerland. Er konzentriert sich auf zwei Themen. Das erste ist das Schweizer Bildungssystem: Lehrwege, die Berufsmaturität, der Zugang zur Universität und die Flexibilität, die Neuankömmlingen oft nicht klar vermittelt wird. Das zweite betrifft das gesellschaftliche und politische Leben: wie direkte Demokratie funktioniert, was eine Gemeinde ist und wie junge Menschen tatsächlich an Entscheidungen teilnehmen können, die sie betreffen. Zwei Content-Serien – Decode Education und Decode Society – geben den Beiträgen einen klaren Rahmen.

Der Account von U.integration Basel hat derzeit 114 Follower und wächst. Er ist erst seit wenigen Wochen online! Das Ziel ist nicht Reichweite um ihrer selbst willen, sondern etwas Nachhaltigeres: Inhalte, die wirklich nützlich sind, konsistent genug, um eine Community aufzubauen, und (wichtig!) gemeinsam mit jungen Migrant:innen erstellt werden – nicht nur für sie.

Der Content-Plan, den das Team in Basel ausgearbeitet hat, folgt einer recht einfachen Logik. Beiträge fallen in vier Kategorien: informative Erklärposts, interaktive Formate wie Umfragen und Q&As, Event-Promotion und Peer-Stories. Diese Mischung spiegelt wider, was das Team für diese Zielgruppe als wirksam einschätzt – wobei Anna offen zugibt, dass sie sich noch in einer Lernphase befinden. „Wir haben Ideen, was gut ankommt“, sagt sie, „aber wir hören auch zu. Wir werden sehen, mit welchen Beiträgen sich die Leute tatsächlich beschäftigen, welche gespeichert oder geteilt werden – und uns entsprechend anpassen.“

Das Format der Peer-Stories ist das, auf das das Team besonders Wert legt. Die Idee dahinter: Praktische Informationen über Schweizer Systeme wirken anders, wenn sie von jemandem kommen, der diese Erfahrungen selbst gemacht hat – etwa ein junger Mensch, der erklärt, wie er oder sie eine Lehrstelle in Basel gefunden hat, oder was man gerne vor dem ersten Bewerbungsgespräch gewusst hätte. Weniger Inszenierung, mehr Wissen von Gleichaltrigen, das in keinem offiziellen Leitfaden zu finden ist.

Warum Social Media – und warum jetzt

Die Entscheidung, in Social Media als Informationskanal zu investieren, ist zum Teil pragmatisch. Integrationsprogramme erreichen oft diejenigen, die bereits wissen, dass sie Unterstützung brauchen – jene, die eine Veranstaltung finden und daran teilnehmen. Instagram kann auch Menschen erreichen, die noch dabei sind herauszufinden, welche Fragen sie überhaupt stellen müssen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber das Projekt versucht, sie konkret umzusetzen – mit Inhalten, die informieren statt nur präsent zu sein.

Dahinter steckt auch eine langfristige Vision. Der Workshop in Basel war nicht nur eine Planungssitzung. Er war Teil eines größeren Vorhabens, junge Teilnehmende selbst in die Erstellung von Inhalten einzubeziehen. Das Team möchte sich in Richtung eines Modells entwickeln, in dem junge Migrant:innen Inhalte produzieren und nicht nur konsumieren: ihre eigenen Erfahrungen mit dem Schweizer Bildungssystem teilen, an Diskussionen über politische Teilhabe mitwirken und beim Aufbau eines Accounts helfen, der in gewisser Weise ihnen gehört.

Dieser Wandel ist noch nicht vollständig vollzogen, und das Team von USB U.integration spricht offen darüber. Doch genau das prägt, was dieses Projekt aufbauen will: keinen Kommunikationskanal, der von einer NGO gesteuert wird, sondern etwas, das sich zu einer gemeinschaftlichen Ressource entwickelt – ein Ort, an dem nützliches Wissen von Gleichaltrigen weitergegeben wird, in den Sprachen und Ausdrucksformen, die die Menschen tatsächlich erreichen.

Was aus dem Workshop in Basel und aus der gesamten Content-Planung hervorgegangen ist, ist ein klareres Verständnis davon, was das Projekt eigentlich bietet: zugängliche Informationen, eine konsistente Präsenz und einen Raum, in dem die Erfahrungen junger Menschen als wertvoll angesehen werden. Ob daraus etwas Bedeutendes entsteht, hängt letztlich davon ab, ob diejenigen, für die es gedacht ist, es als nützlich empfinden – und ob sie sich als Mitgestaltende sehen, nicht nur als Empfänger:innen. „Wir versuchen nicht, Integration zu lösen“, sagt Anna. „Wir wollen jungen Menschen helfen zu verstehen, wie die Dinge hier funktionieren, damit sie ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Das ist schon viel.“ Die Planungssitzung ist beendet. Der Content-Kalender steht. Der Account hat 114 Follower, und das Team ist bereits motiviert, an Design und Kommunikation ihrer Ideen weiterzuarbeiten.

Es ist ein Anfang!

Decode Switzerland ist ein Projekt von U.integration Basel und Teil des europäischen Programms CATAPULT. Folgen Sie dem Projekt auf Instagram unter @u.integration.basel oder besuchen Sie usb.ngo/integration.

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