Eine Stadt im Dialog: Wie Basels Aktionswoche gegen Rassismus Bewusstsein in Handlung verwandelte

Basel, März 2026. Für eine Woche verwandelte sich die Stadt Basel in ein lebendiges Forum. Klassenzimmer, Theater, öffentliche Plätze und Gemeinschaftszentren wurden zu Räumen für eine gemeinsame Frage: Wie prägt Rassismus den Alltag – und was kann dagegen getan werden? Vom 16. bis 22. März brachte die Aktionswoche gegen Rassismus 2026 Aktivist:innen, Institutionen und Einwohner:innen in einem dichten Programm aus Workshops, Diskussionen und kulturellen Veranstaltungen zusammen. Doch trotz der Vielfalt der Formate zog sich ein gemeinsamer Gedanke durch die Woche: Rassismus ist kein abstraktes Problem. Er ist im Alltag, in Strukturen und in Systemen verankert.

Vom Arbeitsplatz auf die Strasse

Laut offiziellem Programm und Berichten von Teilnehmenden wurde die Woche mit einer interaktiven Theateraufführung eröffnet, die sich mit Rassismus am Arbeitsplatz beschäftigte. Anders als bei einem klassischen Vortrag wurden die Zuschauer:innen eingeladen, in reale Situationen einzutauchen, Reaktionen auszuprobieren und zu erkunden, wie Diskriminierung oft subtil auftritt – durch Bemerkungen, Annahmen oder Schweigen.

Dieser Fokus auf Alltagssituationen zog sich durch die gesamte Woche. Straßenaktionen luden Passant:innen ein, Gespräche über Rassismus zu führen, eigene Erfahrungen zu teilen und über die eigenen Perspektiven nachzudenken. Das Ziel war klar: Rassismus dort sichtbar zu machen, wo er oft übersehen wird.

Bildung als Barriere und Chance

Eine Veranstaltung, an der wir teilnahmen und die vom Offenen Hörsaal Basel organisiert wurde, verlagerte den Fokus auf Bildung. Der Workshop basierte auf vier Fallbeispielen. Jedes stellte eine hypothetische Person vor und beschrieb deren Hintergrund, Bildungschancen und mögliche Hindernisse. Anhand dieser Szenarien untersuchten die Teilnehmenden, wie der Zugang zur Hochschulbildung durch bürokratische Hürden, rechtlichen Status, Sprachbarrieren und begrenzten Zugang zu Informationen beeinflusst wird. Die Übung zeigte, wie der Bildungsweg selbst für motivierte und qualifizierte Personen komplex und mitunter unfair werden kann.

Auch andere Veranstaltungen, von Studierenden berichtet und im Programm aufgeführt, zeigten, wie Rassismus in Institutionen wirkt. An der Universität Basel etwa widmete sich eine Podiumsdiskussion dem Thema Rassismus im Gesundheitswesen und brachte Fachpersonen sowie Patient:innen zusammen, um über ungleiche Behandlung und strukturelle Vorurteile zu sprechen. Solche Momente verdeutlichten das Wesen der Aktionswoche gegen Rassismus: Räume zu schaffen, in denen gelebte Erfahrungen zu Wissen werden – und Wissen zu Handlung führen kann.

 

 

Rassismus in Systemen

Weitere Veranstaltungen zeigten, wie Rassismus innerhalb von Institutionen wirkt. Eine Diskussion an der Universität Basel thematisierte beispielsweise Rassismus im Gesundheitswesen und beleuchtete ungleiche Behandlung sowie strukturelle Verzerrungen. Eine andere Veranstaltung widmete sich Diskriminierung in der Politik und stellte Fragen nach Repräsentation und deren Auswirkungen auf demokratische Teilhabe. Zusammen machten diese Diskussionen deutlich: Rassismus ist nicht nur zwischenmenschlich – er ist systemisch und prägt Zugang, Chancen und Ergebnisse in verschiedenen Lebensbereichen.

Erinnern, reflektieren, neu lernen

Auch historische Perspektiven spielten eine wichtige Rolle. Führungen und Museumsveranstaltungen luden dazu ein, Basels Verbindungen zur Kolonialgeschichte zu untersuchen und darüber nachzudenken, wie diese bis heute nachwirken.

Ausstellungen und Diskussionen beschäftigten sich damit, wie Narrative entstehen: Wessen Geschichten werden erzählt, wessen nicht – und wie Bilder und Darstellungen Stereotype verstärken können. In einigen Formaten wurden die Besucher:innen dazu angeregt, ihre eigenen „blinden Flecken“ zu reflektieren und zu erkennen, wie Wahrnehmung durch soziale und historische Kontexte geprägt wird.

Gemeinschaft schaffen – nicht nur Bewusstsein

Doch die Aktionswoche gegen Rassismus war nicht nur kritisch – sie war auch verbindend. Veranstaltungen wie ein gemeinsames Iftar, kulturelle Austausche und Workshops für verschiedene Altersgruppen schufen Räume für Dialog jenseits formaler Diskussionen. Die Teilnehmenden sprachen über Diskriminierungserfahrungen, aber auch über Identität, Kultur und Alltag. Diese Begegnungen zeigten einen wichtigen Wandel: Antirassismus ist nicht nur ein Thema für Diskussionen, sondern eine Praxis im täglichen Miteinander.

Mehr als eine Woche

Als die Aktionswoche zu Ende ging, reichte ihre Wirkung über das Programm hinaus. Gespräche wurden angestoßen, Perspektiven hinterfragt und Netzwerke gestärkt.Wenn es eine zentrale Erkenntnis aus Basels Ansatz gibt, dann diese: Der Kampf gegen Rassismus erfordert sowohl kritische Reflexion als auch kollektives Engagement. Es bedeutet, ebenso zuzuhören wie zu sprechen, ebenso zu hinterfragen wie zu lehren – und anzuerkennen, dass Veränderung nicht nur in Institutionen beginnt, sondern auch im Alltag. Für eine Woche wurde Basel zu einer Stadt im Dialog. Die Herausforderung, so viele Teilnehmende, besteht darin, diesen Dialog auch nach dem Ende der Veranstaltungen fortzuführen.

Foto https://surl.li/coahel

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