Von Olena Krylova
Junge professionelle Tänzerinnen aus der Ukraine haben ein Studio eröffnet, in dem Dreijährige ihre ersten Ballettschritte machen – und in dem ihre Lehrerinnen ihre eigenen Karrieren neu aufbauen.
Veronika hat in der Ukraine eine Ausbildung zur Balletttänzerin absolviert. Heute steht sie in einem Proberaum in Basel und zählt für eine Reihe von Kindern, von denen das jüngste drei Jahre alt ist, die Pliés. Viele von ihnen sind genauso in die Schweiz gekommen wie sie – mit einem Koffer und ohne Plan.
„Wir sehen nach einigen Monaten Unterricht Veränderungen bei den Kindern. Auch ihre Eltern berichten von verschiedenen Verbesserungen: Haltung, Konzentration, Selbstvertrauen, Freundschaften“, sagt Veronika.
Das Studio wird von drei ukrainischen Tänzerinnen geleitet und ist leicht zugänglich. Keine Aufnahmeprüfung, keine Vorkenntnisse, keine teure Ausrüstung für die ersten Stunden und Unterricht, der sowohl auf Ukrainisch als auch auf Deutsch stattfindet. Für Familien, die in Notunterkünften leben und mit einem knappen Budget auskommen müssen, macht diese niedrige Schwelle den Unterschied zwischen einem Kind, das tanzt, und einem Kind, das nur zusieht.
Das Programm gliedert sich in drei Bereiche. Das Ballett für Kinder ab drei Jahren führt schon bei den ersten Schritten in den klassischen Tanz ein: Koordination, Anmut und Disziplin wachsen von Stunde zu Stunde, und mit ihnen entsteht schon früh ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Kunstform. „High Heels“, ein Tanzstil für Frauen, verbindet Ausdruckskraft mit Technik – die Teilnehmerinnen berichten, dass sie den Kurs mit einem Selbstvertrauen in ihre Bewegungen verlassen, das sie durch den Rest der Woche begleitet. Yoga-Kurse für Frauen fördern Flexibilität, Gleichgewicht und innere Ausgeglichenheit: eine Stunde, in der neue Energie entsteht und das Tempo des anspruchsvollen Alltags nachlässt.
Für Kinder, die innerhalb eines Jahres das Land, die Schule und die Sprache gewechselt haben, ist ein Tanzkurs mehr als nur Bewegung. Es ist ein Raum, in dem die Regeln dieselben sind wie zu Hause – die erste Position ist in jeder Sprache die erste Position – und in dem die Fortschritte jede Woche im Spiegel sichtbar werden. Regelmäßige Kurse geben Struktur, die Gruppe schafft Freundschaften, und die Bühne bietet etwas, das viele dieser Kinder schon lange nicht mehr erlebt haben: eine Gelegenheit, Beifall zu erhalten.
Das Studio arbeitet auf der USB-Plattform. Für Veronika und ihre Kolleginnen ist das Unterrichten keine Pause in ihrer beruflichen Laufbahn. Es ist das nächste Kapitel davon: Choreografieren, ein Repertoire aufbauen, ein Ensemble leiten – und das ganz nach ihren eigenen Vorstellungen.