Warum ich eine Woche in Genf mit «technischen Richtlinien» verbracht habe — und warum junge Menschen in diese Säle gehören

Von Natalia Masechko, Vertreterin von Zero Waste Lutsk in Genf

Die letzte Juniwoche habe ich im Palais des Nations und im Centre International de Conférences in Genf verbracht — in Sitzungen, die die meisten Menschen wohl als unerträglich technisch empfinden würden: Kontrollsysteme für den grenzüberschreitenden Transport von Kunststoffabfällen, Grenzwerte für die Vernichtung von Altpestiziden, Anhang-Kategorien für Anlagen, die mit polychlorierten Biphenylen (PCB) kontaminiert sind. Es war die OEWG-15 — die fünfzehnte Tagung der Open-ended Working Group des Basler Übereinkommens vom 23. bis 26. Juni 2026 —, auf der die Vertragsstaaten technische Richtlinien zu Kunststoffabfällen und zu Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen (POPs) finalisierten.

Ich war dort als Vertreterin von Zero Waste Lutsk in Genf. Und im Zentrum meiner Woche stand die Side-Veranstaltung, die ich moderiert habe: «Envisioning a Children and Youth Engagement Strategy and Action Plan for the BRS Conventions: Lessons Across the MEAs and Priorities from Youth-Led and Youth-Serving Organizations» — zur Entwicklung einer Strategie und eines Aktionsplans für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den BRS-Übereinkommen.

Jugend ins Zentrum der Chemikalien- und Abfallpolitik

Die Grundidee unserer Veranstaltung war einfach: Die Übereinkommen von Basel, Rotterdam und Stockholm (BRS) treffen Entscheidungen, deren Folgen sich über Jahrzehnte entfalten — und diejenigen, die am längsten mit diesen Folgen leben werden, sind in den Verhandlungssälen am wenigsten vertreten. Andere multilaterale Umweltabkommen, von der Klimarahmenkonvention bis zur Biodiversitätskonvention, haben längst strukturierte Mechanismen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen aufgebaut. Der Chemikalien- und Abfallbereich holt hier noch auf.
Unsere Diskussion brachte Delegierte, technische Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter von jugendgeführten und jugendorientierten Organisationen zusammen, um zu analysieren, was sich in anderen Umweltabkommen bewährt hat, und konkrete Prioritäten für eine Beteiligungsstrategie samt Aktionsplan für die BRS-Übereinkommen zu identifizieren. Die Botschaft aus dem Saal war eindeutig: Jugendbeteiligung darf nicht aus symbolischen Sitzen und Fototerminen bestehen. Sie bedeutet Zugang zur technischen Substanz — Ausbildung, Mentoring und eine echte Rolle in den Arbeitsgruppen, in denen die Richtlinien tatsächlich geschrieben werden. Junge Umweltfachleute in Ländern wie der Ukraine leisten diese Arbeit vor Ort bereits. Die Frage ist, ob der internationale Prozess ihnen die Türen dort öffnet, wo die Regeln entstehen — oder erst dort, wo die Folgen ankommen.
Wir haben zudem diskutiert, wie sich diese Richtlinien in der Praxis auf Länder übertragen lassen, die gleichzeitig mit historischen Altlasten und mit konfliktbedingten Umweltschäden umgehen müssen — eine Kombination, mit der, wie ich im Saal in Erinnerung rief, derzeit nur sehr wenige Vertragsstaaten in einem Ausmass wie die Ukraine konfrontiert sind.

Warum «technische Richtlinien» alles andere als bürokratisches Rauschen sind

Wenn Menschen «technische Richtlinien» hören, denken sie oft an reine Bürokratie. Das ist ein Irrtum. Diese Dokumente sind die konkreten Anleitungen dafür, wie man alte PCB und unbrauchbare Pestizide sicher identifiziert, lagert und vernichtet — jene Kontamination, die in der Ukraine seit Sowjetzeiten im Boden liegt und zu der neue Belastungen aus zerstörten Industrieanlagen und Transformatoren hinzugekommen sind. Wer die Richtlinie falsch ansetzt, macht die Sanierung falsch.
Zwei Dokumente lagen diese Woche auf dem Tisch. Das erste war UNEP/CHW/OEWG.15/6, das Arbeitsdokument zu Kunststoffabfällen im Rahmen der 2019 verabschiedeten Plastic Waste Amendments des Übereinkommens, mit denen das Kontrollsystem für den Handel mit Kunststoffabfällen und die Plastic Waste Partnership geschaffen wurden. Das zweite waren die allgemeinen technischen Richtlinien zu POPs-Abfällen (UNEP/CHW/OEWG.15/INF/4) sowie spezifische Leitlinien zu Pestizid-POPs, PFOS/PFOA, Dioxinen und PCB sowie HBCD.

Bei den Kunststoffabfällen entspricht das, was in Genf entschieden wird, im Wesentlichen demselben Regelwerk, das die Europäische Union bereits über ihre Abfallverbringungsverordnung anwendet. Wenn die Ukraine heute mit diesen Standards arbeitet, ist das also kein separater Prozess neben dem EU-Beitritt — es ist derselbe Weg. Das ist der Teil, den man vor Ort oft nicht sieht, weil alles wie ein fernes UN-Verfahren wirkt. In Wahrheit ist es Vorbereitung.

Zero Waste Lutsk: wo diese Arbeit ankommt

Alles, was ich in Genf tue, ist direkt mit Zero Waste Lutsk verbunden — einer ukrainischen Umweltorganisation, die gemeinsam mit der Stadtverwaltung von Luzk eine der fortschrittlichsten kommunalen Partnerschaften im Abfallmanagement der Ukraine aufgebaut hat. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt haben wir die Abfallstrategie von Luzk mitgestaltet: Die Stadt strebt die Zertifizierung als Zero Waste Certified City an und hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, das Abfallaufkommen bis 2027 von derzeit 320 kg auf 120 kg pro Person und Jahr zu senken. Die Strategie setzt auf getrennte Sammlung, Reduktionsziele und transparentere Abfalldaten — und sie bezieht Bevölkerung und lokale Unternehmen als Beteiligte ein, statt Abfallpolitik von oben zu verordnen.
Diese kommunale Partnerschaft ist das Fundament, auf das ich mich in den internationalen Verhandlungen stütze. Die technischen Standards, die an der OEWG-15 finalisiert werden, sind für mich nichts Abstraktes — sie sind der Rahmen, den Luzk bei der Umsetzung seiner eigenen Strategie anwenden wird, insbesondere überall dort, wo es um den Handel mit Kunststoffabfällen oder um POPs-kontaminierte Standorte geht. Und genau in dieser Arbeit muss die nächste Generation ukrainischer Fachleute schon heute ausgebildet werden — weshalb die Jugendbeteiligung und die technische Agenda für mich ein und dieselbe Agenda sind.

Wie es weitergeht

Im Rahmen von USB Expert wird diese Arbeit laufend begleitet, damit die technische Substanz — nicht nur die Schlagzeilen — ukrainische Umweltfachleute erreicht, die am Wiederaufbau und an der Annäherung an EU-Standards arbeiten. Gemeinsam mit USB loten wir zudem eine Partnerschaft mit Organisationen in der Schweiz aus. Ziel ist es, Schweizer Know-how in den Bereichen Abfall-Governance, Altlastenmanagement und Umsetzung kommunaler Strategien direkt in die Unterstützung von Luzk bei der Umsetzung seiner Abfallstrategie einfliessen zu lassen.
Den Menschen in Luzk möchte ich Folgendes mitgeben: Meine Arbeit in diesen Sälen in Genf ist nichts, das von dem getrennt wäre, was in unserer Stadt geschieht. Es ist dieselbe Arbeit — nur einige Schritte weiter oben, dort, wo die Regeln geschrieben werden, nach denen wir alle leben werden. Und dort verdienen junge Menschen einen Platz am Tisch, solange die Tinte noch feucht ist.

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