Text: Svitlana Prokopchuk
Mykola Koliada träumt davon, mit Kindern zu arbeiten. Pavlo Sumskyi studiert Organisationsmanagement und denkt über eine Karriere im Management nach. Mykola kam in den ersten Wochen des groß angelegten Krieges in die Schweiz, Pavlo im Jahr 2023. Heute leben beide in Schaffhausen, lernen, arbeiten und vor allem warten sie nicht darauf, dass Integration von selbst geschieht.
„Am Anfang war es schwierig, wenn man die Sprache nicht kennt, wenn alles bei null beginnt: ein neues Land, eine neue Mentalität, neue Menschen“, erinnert sich Mykola. Er kam im März 2022 und besucht heute bereits ein Integrationsprogramm und sucht nach einem Praktikumsplatz oder einer Ausbildung im Bereich der Arbeit mit Kindern.
Pavlo hat einen anderen Weg gewählt. Er schließt sein Bachelorstudium im Bereich Organisationsmanagement an der Universität Charkiw ab – дистанційно, ohne das Studium wegen des Umzugs zu unterbrechen. Parallel dazu engagiert er sich ehrenamtlich bei USB und sucht nach Möglichkeiten für ein Studium oder eine Lehre im Bereich Management in der Schweiz – er bewirbt sich und knüpft Kontakte. „Ich habe einen Brief geschrieben und warte auf eine Antwort“, sagt er und beschreibt damit einen weiteren Schritt in einem langen Prozess.

Beide haben schnell verstanden: Die größte Hürde ist nicht nur die Sprache. Es ist die Denkweise, das System, andere Spielregeln. „Hier muss man nicht nur lernen, sondern eine Lehrstelle suchen, einen Ort, an dem man Wissen praktisch erwirbt“, erklärt Mykola. Was in der Ukraine wie ein klarer Weg aussieht, verwandelt sich in der Schweiz in eine komplexe Navigation zwischen Möglichkeiten.
Gerade die Neugier und der Wunsch, dieses System zu verstehen, führten sie dazu, dass sie selbst eine Jugendorganisation bei USB gefunden haben. Dort finden sie nicht nur Antworten für sich selbst, sondern beginnen auch, anderen zu helfen.
Mykola trainiert ukrainische Kinder in Schaffhausen: Er führt Fußballtrainings durch, gibt seine Erfahrung weiter und integriert sich gleichzeitig selbst. „Sport ist zu hundert Prozent Integration“, sagt er. Im Team lernt man schneller die Sprache, versteht die Menschen und spürt das Umfeld.

In dem kleinen Schaffhausen ist die ukrainische Gemeinschaft nicht groß. Deshalb suchen die beiden Verbindungen über die Stadt hinaus – in Zürich, Basel und Bern. Sie haben bereits Universitäten besucht, Programme kennengelernt und bauen ein Netzwerk auf.
Ihre Motivation ist einfach und zugleich reif. „Wenn man anderen hilft, bekommt man Kontakte, Erfahrung und entwickelt sich selbst weiter“, erklärt Pavlo. Für ihn ist es sowohl Selbstverwirklichung als auch eine Möglichkeit, nicht allein zu bleiben und Teil von etwas Größerem zu sein.
Sie verschweigen nicht: Man kann mit dem Strom schwimmen. Aber man kann auch anders. Ihre Geschichte handelt von einer Entscheidung. Von Verantwortung für die eigene Integration. Und davon, wie zwei junge Männer aus der Ukraine, die sich in einem neuen Land wiederfinden, beschlossen haben, nicht nur zu adaptieren, sondern ein aktiver Teil der Umgebung zu werden. „Wenn man sich bemüht, geht es schneller und besser“, ist Mykola überzeugt.