Von Olena Krylova
Als sich im Februar 2025 die Bieler Gemeinderätin Natasha Pittet, Direktorin Soziales und Sicherheit, und der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Butscha, Anatolii Fedoruk, zu einem Arbeitsgespräch trafen, ging es um weit mehr als einen offiziellen Höflichkeitsbesuch. Organisiert mit Unterstützung der Vereine USB und Vidnova, setzte das Treffen ein Zeichen dafür, wie Solidarität zwischen Schweizer und ukrainischen Städten konkret werden kann.
Gemeinderätin Pittet bekräftigte die Solidarität der Stadt Biel mit der ukrainischen Bevölkerung und erinnerte an das Massaker an der Zivilbevölkerung in Butscha im März 2022. Gleichzeitig betonte sie die Bereitschaft der Stadt, ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen mit der ukrainischen Partnerstadt zu teilen. Bürgermeister Fedoruk unterstrich seinerseits, wie wichtig der regelmässige Austausch zwischen ukrainischen und europäischen Gemeinden für den Wiederaufbau seines Landes ist.
Genau hier setzt auch die Arbeit von USB an. Der Wiederaufbau der Ukraine wird nicht allein auf nationaler Ebene entschieden. Er beginnt in den Städten und Gemeinden – dort, wo Schulen funktionieren müssen, soziale Dienstleistungen organisiert werden, öffentliche Räume wieder entstehen und das Vertrauen der Menschen in staatliche Institutionen wächst.
Die Schweiz verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit starken Gemeinden, föderalen Strukturen und bürgernaher Verwaltung. Dieses Wissen lässt sich nicht exportieren wie ein Bauplan. Aber es lässt sich teilen – im direkten Austausch zwischen Menschen, die täglich Verantwortung für ihre Gemeinden tragen.
Für die Ukraine ist dieser Wissenstransfer von besonderer Bedeutung. Das Land verfolgt seit Jahren einen umfassenden Dezentralisierungsprozess, der trotz des Krieges fortgeführt wird. Leistungsfähige Kommunen gelten als eine der Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wiederaufbau und für den weiteren Weg in Richtung Europäische Union.
Deshalb fördert USB den Dialog zwischen Schweizer und ukrainischen Gemeinden. Wenn Stadtpräsidentinnen, Gemeinderäte, Verwaltungsfachleute oder Sozialverantwortliche ihre Erfahrungen austauschen, entstehen Lösungen, die weit über einzelne Projekte hinausreichen. Es geht um gute Verwaltungsführung, moderne kommunale Dienstleistungen, Bürgernähe und den Aufbau resilienter lokaler Institutionen.
Diese Form der Zusammenarbeit gewinnt auch mit Blick auf die Ukraine Recovery Conference 2025 im Rom weiter an Bedeutung. Der Wiederaufbau wird nicht nur Investitionen in Infrastruktur erfordern, sondern ebenso Investitionen in Institutionen. Internationale Partnerschaften zwischen Städten können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten – nicht durch grosse politische Erklärungen, sondern durch den Austausch von Erfahrungen, gegenseitiges Lernen und langfristiges Vertrauen.
Solidarität endet nicht mit humanitärer Hilfe. Sie entfaltet ihre nachhaltigste Wirkung dort, wo Wissen geteilt, Verantwortung gemeinsam getragen und Zukunft partnerschaftlich gestaltet wird.