Von Olena Krylova
Drei Jahre können sich wie eine Ewigkeit anfühlen – und zugleich wie ein Augenblick.
Unter diesem Gedanken stand die Veranstaltung „Drei lange, kurze Jahre“, zu der die Osteuropabibliothek in Bern eingeladen hatte. Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitglieder der ukrainischen Gemeinschaft kamen zusammen, um darüber nachzudenken, was drei Jahre Krieg bedeuten – für die Menschen in der Ukraine ebenso wie für jene, die sich in der Schweiz ein neues Leben aufbauen.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Ausstellung mit Illustrationen, die auf den Erfahrungen ukrainischer Frauen basieren, die seit 2022 in der Schweiz Schutz gefunden haben. Ihre Geschichten wurden nicht als Schlagzeilen oder Statistiken erzählt, sondern als persönliche Erfahrungen von Verlust, Hoffnung und Neuanfang. Die Kunst schuf einen Raum, in dem diese Erfahrungen sichtbar wurden – jenseits politischer Debatten.
An der Podiumsdiskussion nahm auch Svitlana Prokopchuk, Medienkoordinatorin von USB – United for Support and Belonging, teil. Gemeinsam mit der Künstlerin Florence Fausch, der Marketingexpertin Anastasia Zarya und der Moderatorin Cécile Drouet von der Universität Bern sprach sie darüber, welche Rolle Kunst dabei spielt, Erinnerung zu bewahren und zugleich Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu schlagen.
An diesem Abend ging es nicht darum, Antworten zu finden. Es ging darum, zuzuhören.
Denn Kunst verändert nicht den Verlauf eines Krieges. Sie verändert die Art, wie wir ihn verstehen. Ein Bild, eine Illustration oder eine persönliche Geschichte kann Gespräche eröffnen, die mit Zahlen und Fakten allein kaum entstehen.
Gerade deshalb sind kulturelle Begegnungsorte so wichtig. Sie schaffen Raum für Perspektiven, die sonst oft ungehört bleiben, und ermöglichen Begegnungen auf Augenhöhe – zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, aber derselben Bereitschaft zuzuhören.
Drei Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion sind solche Räume wichtiger denn je.
Wir danken der Universität Bern, den Osteuropastudien (OES), der Schweizerischen Osteuropabibliothek sowie Ost|Est für die Organisation dieses Abends und für einen Dialog, der weit über die Veranstaltung hinaus nachwirkt.