Von Olena Krylova
Kriege werden auf Schlachtfeldern geführt. Der Wiederaufbau beginnt mit dem Dialog.
Nachhaltige Lösungen entstehen selten im Alleingang. Sie entwickeln sich dort, wo Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und die unmittelbar Betroffenen zusammenkommen, um gemeinsame Herausforderungen zu analysieren und konkrete Antworten zu finden.
Genau diese Rolle übernimmt das Jährliche Ukraine-Forum im Schweizer Parlament, das im September 2024 stattfand. Es hat sich zu einer wichtigen Plattform entwickelt, auf der Parlamentarierinnen und Parlamentarier, Diplomatinnen und Diplomaten, Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft über die Rolle der Schweiz bei der Unterstützung der Ukraine und ihrer langfristigen Erholung diskutieren.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen Themen, die weit über den unmittelbaren Kontext des Krieges hinausreichen: die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter, die Mobilisierung eingefrorener russischer Vermögenswerte für den Wiederaufbau der Ukraine sowie der Umgang mit Desinformation als zunehmender Herausforderung für demokratische Gesellschaften.
Auf den ersten Blick mögen diese Themen wenig miteinander zu tun haben. Tatsächlich verbindet sie jedoch eine zentrale Erkenntnis: Keine dieser Herausforderungen lässt sich von einer einzelnen Institution oder einem einzelnen Staat allein bewältigen.
Die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt nur im Zusammenspiel von Behörden, Arbeitgebern, Bildungsinstitutionen und der Zivilgesellschaft. Der Kampf gegen Desinformation erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Staaten, unabhängigen Medien, Wissenschaft und internationalen Partnern. Und auch die Debatte über eingefrorene russische Vermögenswerte zeigt, wie eng rechtliche, politische und internationale Prozesse miteinander verflochten sind.
Einigkeit bestand unter den Teilnehmenden darüber, dass russische Desinformation professionell organisiert und finanziell gut ausgestattet ist. Dadurch können Falschinformationen in kurzer Zeit grosse Reichweiten erzielen und das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben. Eine wirksame Antwort darauf kann deshalb nur gemeinsam entwickelt werden – durch internationale Kooperation, unabhängigen Journalismus und eine widerstandsfähige Zivilgesellschaft.
Für USB sind Foren wie dieses von besonderer Bedeutung. Sie schaffen eine Brücke zwischen politischen Entscheidungsprozessen und den Erfahrungen der Menschen, die tagtäglich mit den Folgen von Flucht, Integration und Wiederaufbau konfrontiert sind. Organisationen der Zivilgesellschaft bringen diese Perspektiven in den politischen Dialog ein und tragen dazu bei, dass strategische Entscheidungen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet bleiben.
Dialog allein löst keine Probleme.
Doch ohne Dialog entstehen kaum tragfähige Lösungen.
Gerade in einer Zeit, in der Europa seine langfristige Unterstützung für die Ukraine gestaltet, sind Plattformen wie das Ukraine-Forum wichtiger denn je. Denn der Wiederaufbau der Ukraine bedeutet nicht nur, Infrastruktur wiederherzustellen. Er bedeutet auch, demokratische Partnerschaften zu stärken, gemeinsames Vertrauen aufzubauen und europäische Antworten auf gemeinsame Herausforderungen zu entwickeln.