Die besten Ratschläge kommen oft von Gleichaltrigen

Von Olena Krylova

Wer als Jugendliche oder Jugendlicher neu in die Schweiz kommt, hat viele Fragen.
Oft sind es gar nicht die offiziellen Informationen, die zuerst gebraucht werden. Viel wichtiger ist zu wissen: Wie hast du das geschafft? Welche Schule hast du gewählt? Wie hast du deinen ersten Nebenjob gefunden? Was würdest du heute anders machen?
Auf solche Fragen geben häufig nicht Erwachsene die überzeugendsten Antworten, sondern junge Menschen, die den gleichen Weg bereits gegangen sind.
Gerade für Jugendliche mit Fluchterfahrung ist dieser Austausch auf Augenhöhe von unschätzbarem Wert. Er schafft Orientierung, macht Mut und zeigt: Die Herausforderungen sind lösbar. Wer dieselben Erfahrungen gemacht hat, spricht nicht aus der Theorie, sondern aus dem eigenen Alltag.
Auf diesem Gedanken baut die Peer-to-Peer-Arbeit von USB auf.
Anstatt ausschliesslich Informationen zu vermitteln, schafft USB Räume, in denen junge Menschen voneinander lernen können. Schülerinnen und Schüler, die sich bereits im Schweizer Bildungssystem zurechtgefunden haben, teilen ihre Erfahrungen mit Neuankommenden. Jugendliche, die ihren ersten Nebenjob gefunden haben, erzählen, wie sie den Einstieg geschafft haben, welche Erwartungen Arbeitgeber haben und wie sich Schule, Ausbildung und Arbeit miteinander vereinbaren lassen. Andere berichten vom Deutschlernen, vom Ankommen im neuen Umfeld oder davon, wie sie ihre ersten Freundschaften in der Schweiz geschlossen haben.
Gerade weil diese Erfahrungen von Gleichaltrigen kommen, wirken sie besonders authentisch. Die Gespräche sind offen, ehrlich und praxisnah. Oft werden genau die Fragen gestellt, die man Lehrpersonen oder Behörden nicht zu stellen wagt.
Peer-to-Peer-Unterstützung hilft jedoch nicht nur denjenigen, die Rat suchen. Auch diejenigen, die ihre Erfahrungen weitergeben, gewinnen dabei. Sie entdecken, wie viel Wissen sie in kurzer Zeit selbst aufgebaut haben, übernehmen Verantwortung und entwickeln Selbstvertrauen. Aus Menschen, die gestern noch Unterstützung brauchten, werden heute Vorbilder für andere.
Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Ansatzes. Integration wird nicht nur von Institutionen begleitet – sie entsteht auch innerhalb der Gemeinschaft selbst. Wissen wird geteilt, Erfahrungen weitergegeben und neue Netzwerke aufgebaut.
Integration bedeutet zu lernen. Genauso wichtig ist aber die Möglichkeit, selbst etwas weiterzugeben.
Denn in dem Moment, in dem ein junger Mensch merkt, dass seine eigene Geschichte einem anderen helfen kann, verändert sich auch die eigene Perspektive. Aus jemandem, der neu angekommen ist, wird jemand, der anderen Orientierung gibt.
Vielleicht beginnt genau dort das, was wir Zugehörigkeit nennen.

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