Migranten und Schweizer Jugend: Bern gemeinsam lernen

Text: Olena Krylova

Ein gemeinsames Projekt der USB Jugendplattform und des Jugendrotkreuzes Kanton Bern verwandelt Integration in etwas Unerwartetes: Spaß.

Es ist ein warmer Donnerstagabend auf dem Gurtenkulm, dem Hügel, der Bern wie eine grüne Krone überblickt. Ein Dutzend junger Menschen versammelt sich um einen Grill, lacht, diskutiert darüber, ob die Würste fertig sind, und wechselt mitten im Satz zwischen Ukrainisch, Deutsch und Englisch. Die meisten von ihnen sind vor weniger als zwei Jahren in die Schweiz gekommen und vor dem Krieg geflohen. Andere sind hier aufgewachsen. Heute Abend kann man kaum unterscheiden, wer wer ist.

Das ist „How to Bern“ in Aktion.

Zwei Organisationen, eine Idee

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der USB Jugendplattform, dem Jugendarm der USB Association, und dem Jugendrotkreuz Kanton Bern. Seit 2022 ist USB eine der aktivsten Organisationen zur Unterstützung ukrainischer Geflüchteter im Kanton und bietet alles an, von einer ukrainischen Schule und psychologischer Beratung bis hin zu Karriereunterstützung und kulturellen Veranstaltungen. Die Jugendplattform, die unter dem Namen U.integration arbeitet, konzentriert sich speziell auf junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren.

Die Partnerschaft mit dem Jugendrotkreuz war ein natürlicher nächster Schritt. Während USB die ukrainische Gemeinschaft einbringt, bringt das Jugendrotkreuz lokale Schweizer Gleichaltrige ein. Das Ergebnis ist etwas, das keine der beiden Organisationen allein schaffen könnte: ein gemeinsamer Raum, in dem Integration nicht durch Vorträge oder Papierarbeit geschieht, sondern durch gelebte Erfahrung.

Mehr als ein Orientierungskurs

Die Grundidee von „How to Bern“ ist täuschend einfach: Ukrainische und Schweizer Jugendliche planen und organisieren gemeinsam Veranstaltungen. Nicht nebeneinander, sondern wirklich gemeinsam: Sie verhandeln Ideen, teilen Aufgaben auf und bewältigen kulturelle Unterschiede im Prozess, während sie etwas Spaßiges tun. Das Lernen ist im Tun eingebettet.

„Bevor ich beigetreten bin, wusste ich nichts über Bern außer seinem Namen und den Bären. Jetzt weiß ich, wo man sonntagmorgens laufen kann, wie man auf dem Gurten einen Grill anzündet, ohne sich zu blamieren, und vor allem habe ich hier Freunde, die tatsächlich Schweizer sind. Das war das Schwerste, sich vorzustellen, und es ist schneller passiert, als ich erwartet habe.“
— Svitlana, 21, aus Sumy, Teilnehmerin seit Herbst 2023

Was sie gemeinsam tun

Das Programm deckt bewusst ein breites Spektrum an Aktivitäten ab, sodass fast jeder einen Einstiegspunkt finden kann. Aus den Ankündigungen ergibt sich das Bild einer Gruppe, die genauso wahrscheinlich Yoga im Park macht wie eine Halloween-Party plant:

• Sport und Outdoor-Aktivitäten: Joggingrunden durch Berner Parks, Bowlingabende, Basketballspiele und Yogakurse, zugängliche Formate, bei denen Sprache kaum eine Rolle spielt und das Eisbrechen von selbst passiert.
• Grillen auf dem Gurten: ein informelles Barbecue auf dem beliebten Hausberg Berns, ein typisch bernisches Ritual, das viele Neuankömmlinge ohne lokale Begleitung nie entdecken würden.
• 1.-August-Feier: der Schweizer Nationalfeiertag, traditionell begangen mit Feuerwerk, Lampionumzügen, Lagerfeuern und Volksreden. Für ukrainische Jugendliche, die ihren ersten Schweizer Sommer erleben, ist die Teilnahme sowohl kulturelles Eintauchen als auch ein stilles Zeichen der Zugehörigkeit.
• Halloween Pop-up: ein geselliger Abend für Jugendliche im Alter von 16 bis 26 Jahren im Zentrum von Bern, bei dem Kostüme und Spiele jede soziale Barriere abbauten.
• Kerzenherstellungs-Workshop: ein kreativer Abend zum Mitmachen, bewusst klein gehalten, damit echte Gespräche neben dem Handwerk stattfinden konnten.
• Krimi-Dinner: ein Abendessen mit Mordrätsel für 10 bis 15 Teilnehmende, jeder mit einer Rolle, einem Motiv und einem Geheimnis. Am Ende des Abends hatten die Teilnehmenden mit Menschen diskutiert, verdächtigt und gelacht, die zwei Stunden zuvor noch Fremde waren.

Eine Lücke, die gefüllt werden musste

Seit März 2022 haben sich allein in der Stadt Bern mehr als 1.700 Ukrainer niedergelassen. Unter ihnen befinden sich junge Menschen in einer besonders schwierigen Zwischenposition: zu alt für Kinderprogramme, zu neu in der Schweiz, um sich selbstständig in Jugendstrukturen zurechtzufinden, und oft zu sehr mit dem Krieg zu Hause beschäftigt, um hier selbstbewusst ein Leben aufzubauen.

Schweizer Institutionen tun, was sie können. Aber kein offizielles Programm vermittelt, dass der Gurten der Ort ist, an dem Bern an einem Sommerabend durchatmet, oder dass es genügt, bei einem Bowlingabend zu erscheinen, um eine Freundschaft zu beginnen. Dieses Wissen wird von Mensch zu Mensch weitergegeben, und genau das soll „How to Bern“ ermöglichen.

„Ich war ehrlich gesagt beim ersten Mal etwas nervös. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Aber die Atmosphäre war so entspannt. Wir haben Basketball gespielt, und es war egal, ob man gut war oder nicht. Danach haben wir einfach lange geredet. An diesem Abend fühlte ich mich nicht wie ein Flüchtling. Ich fühlte mich einfach wie jemand, der eine gute Zeit mit neuen Menschen hatte.“
— Dmytro, 19, aus Saporischschja, seit Frühjahr 2025 dabei.

Mitmachen

Das Team von U.integration kündigt alle Veranstaltungen in seiner Telegram-Gruppe @uintegration und auf Instagram @u.integration an. Eine Anmeldung ist in der Regel erforderlich. Die Plätze sind bewusst begrenzt, um die persönliche Atmosphäre zu bewahren. Fragen können direkt an das Organisationsteam gerichtet werden.

Für weitere Informationen über die umfassende Arbeit der USB Association, einschließlich Medienprojekte, Integrationsunterstützung sowie Programme für Erwachsene und Familien, besuchen Sie usb.ngo oder schreiben Sie an [[email protected]](mailto:[email protected]).

Zurück auf dem Gurtenkulm werden die Würste schließlich für fertig erklärt. Jemand holt ein Telefon hervor und startet eine Playlist. Die Stadt glitzert unten in der sommerlichen Abenddämmerung. Niemand spricht heute Abend über Integration. Sie haben einfach Spaß.

„How to Bern“ ist ein Projekt der USB Jugendplattform U.integration in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz Kanton Bern.

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