«Nichts über uns ohne uns» — als Infrastruktur, nicht als Slogan: Die Idee hinter dem USB Media Hub

Schweizer Medien sprechen weit häufiger über Menschen mit Migrationserfahrung, als diese Menschen selbst Medien machen. Ein neuer Hub baut auf einer einfachen Umkehrung auf: Verändert man, wer produziert — verändert sich die Berichterstattung von selbst

Text: Svitlana Prokopchuk

Jede Redaktion in der Schweiz hat schon über Migration berichtet. Nur sehr wenige haben eine Kollegin am Redaktionstisch, die als Geflüchtete gekommen ist. Diese Lücke — zwischen dem Dasein als wiederkehrendes Thema und dem Dasein als ständige redaktionelle Stimme — ist das strukturelle Problem, das der USB Media Hub schliessen soll.

Der Grundgedanke ist für die Praxis von USB nicht neu; neu ist die Architektur. In den vergangenen Jahren haben einzelne Projekte denselben Punkt aus verschiedenen Blickwinkeln bewiesen: junge Menschen, die Kurzvideo-Journalismus produzieren (Reel Integration), Autorinnen und Autoren, die erklärende Medien darüber machen, wie Schweizer Systeme tatsächlich funktionieren (Decode Switzerland), langformatiger Journalismus und Radio (Stimmen zwischen den Welten), Sendungen mit dem Communityradio RaBe, redaktionelle Zusammenarbeit mit Journal B. Jedes davon hat funktioniert. Und jedes endete mit seiner Finanzierung — und nahm ausgebildete Menschen, redaktionelle Routinen und das Vertrauen des Publikums mit.

Das Verschwenderische an der Projektlogik ist nicht das Geld — es sind die Menschen. Jemand lernt zu recherchieren, zu interviewen, eine Deadline zu halten — und dann schliesst das Projekt, und diese Kompetenz hat keinen Ort mehr, an dem sie leben kann. Der Hub ist der Ort, an dem sie lebt.

Was tatsächlich neu ist

Die Innovation ist bewusst unglamourös: Infrastruktur. Der Hub verbindet die bestehenden Formate zu einem redaktionellen Ökosystem — mit drei Dingen, die keines von ihnen allein hätte tragen können.

Erstens: ein gemeinsames redaktionelles Rückgrat — gemeinsame Standards, Qualitätssicherung, Mentoring und ein definierter Weg von der ersten Autorin zur Mitredaktorin. Teilhabe ist hier kein Workshop-Zertifikat, sondern ein Weg in die Verantwortung.

Zweitens: Einbettung statt Parallelmedien. Der Hub baut kein separates «Migrationsmedium» auf, das nur zur eigenen Community spricht. Die Beiträge werden nach professionellen Standards redigiert und dort veröffentlicht, wo der öffentliche Diskurs der Schweiz bereits stattfindet — über Partner wie Journal B und Radio RaBe. Unabhängige Lokalmedien gewinnen redaktionelle Kapazität und thematische Breite; die Autorinnen und Autoren gewinnen ein echtes Publikum.

Drittens: eine geschichtete Budgetlogik. Koordination, Produktion, Lernen und öffentliche Formate werden als getrennte Ebenen von unterschiedlichen Förderern finanziert — sodass keine einzelne Absage das Ganze zum Einsturz bringen kann und kein Förderer gebeten wird, zu subventionieren, was ausserhalb seines Auftrags liegt. Nachhaltigkeit heisst in diesem Modell: Kontinuität des Beitrags — nicht Dauerhaftigkeit eines einzelnen Formats.

Für uns war die Frage nie, ob unsere Autorinnen und Autoren gut genug für Schweizer Medien sind — das sind sie. Die Frage war, wer die unspektakuläre Arbeit dazwischen macht: redigieren, übersetzen, koordinieren, bleiben. Genau das macht der Hub.

Warum das über eine einzelne Organisation hinaus wichtig ist

Die Schweizer Lokalmedien konsolidieren sich; die redaktionellen Stimmen werden weniger, nicht mehr. In dieser Landschaft ist Vielfalt nicht mehr nur eine Frage dessen, worüber berichtet wird, sondern dessen, wer strukturell überhaupt berichten kann. Die Antwort des Hubs — stabile redaktionelle Wege für Menschen, die heute ausserhalb der Medienproduktion stehen — versteht Vielfalt als Eigenschaft des Mediensystems, nicht einzelner Geschichten.

Eine Gesellschaft kann hundert Artikel über Menschen wie mich in Auftrag geben, und nichts verändert sich. Gebt zehn von uns einen Platz in der Redaktion — und ihr müsst nichts mehr in Auftrag geben. Wir sind nicht der Gegenstand der Geschichte. Wir sind ihre Autorinnen und Autoren.

Teilen

Vorherige

Weiter

Nachrichten

Wenn Kunst reisen lernt: Verdrängung als gemeinsame Sprache der Biennale von Venedig 2026...

Bericht vor Ort: Olena Krylova, Venedig Im August 2024, als die Frontlinie sich Pokrowsk näherte, tat die Künstlerin Zhanna...

En pointe in einer neuen Stadt...

Von Olena Krylova Junge professionelle Tänzerinnen aus der Ukraine haben ein Studio eröffnet, in dem Dreijährige ihre ersten Ballettschritte...

Warum ich eine Woche in Genf mit «technischen Richtlinien» verbracht habe — und warum junge Menschen in diese Säle gehören...

Von Natalia Masechko, Vertreterin von Zero Waste Lutsk in Genf Die letzte Juniwoche habe ich im Palais des Nations...

Leiste einen Beitrag / Unterstütze
unsere Aktivitäten