UNHCR-Bericht zu Best Practices im Flüchtlingsengagement: Partizipation statt Bevormundung in der Schweiz vorgestellt

Text: Olena Krylova

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat einen neuen Analysebericht mit dem Titel „Good Practices for Refugee Inclusion and Participation“ vorgelegt. Dieser sammelt die besten Beispiele für die Inklusion von Flüchtlingen in der Schweizer Gesellschaft. Im Fokus steht nicht nur die Unterstützung, sondern auch die aktive Beteiligung der Flüchtlinge selbst an Integrationsprozessen, Entscheidungsprozessen und der Schaffung gemeinsamer Räume.

„Es geht nicht darum, Flüchtlingen zu helfen, sondern *mit ihnen* zu handeln“, betonen die Autoren des Berichts.

Teilhabe als Schlüssel zur Integration

Eine der zentralen Schlussfolgerungen der Studie ist, dass Partizipation kein abstraktes Konzept, sondern ein praktisches Instrument für nachhaltige Integration ist. Dies gilt sowohl für die politische Teilhabe (z. B. die Mitarbeit in Beiräten oder Flüchtlingsparlamenten) als auch für die alltägliche Interaktion – in Schulen, im öffentlichen Raum und bei kulturellen Veranstaltungen.

Psychosoziale Auswirkungen und die Rolle einer frühen Einbindung

Der Bericht hebt auch die positiven Auswirkungen der Teilnahme auf die psychische Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt hervor. Soziale Isolation, insbesondere bei Frauen und Kindern, führt zu chronischen Integrationsschwierigkeiten. Deshalb liegt der Schwerpunkt auf „frühzeitigen Einbindungsmöglichkeiten“ – in der ersten Phase des Aufenthalts im Land.

Barrieren bleiben bestehen

Trotz dieser Erfolge bleiben strukturelle Hindernisse bestehen. Dazu gehören Sprachbarrieren, Rechtsunsicherheit, Informationsdefizite und fehlende institutionelle Unterstützungsmechanismen. Besonders gefährdet sind nach wie vor Frauen mit Kindern, Menschen mit Behinderungen und Personen mit S-Status in der Schweiz.

Beispiele für bewährte Verfahrenaktiv: von lokal zum System

UNHCR stellt eine Reihe lokaler Initiativen vor, die als Vorbild für andere Regionen dienen können:

* **Individueller Integrationsplan (IIP)** – individuelle Integrationspläne, die auf der Grundlage der Stärken einer bestimmten Person entwickelt werden.

* **Programm R** – Unterstützung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, insbesondere durch die Mobilisierung lokaler Ressourcen.

* Das **Flüchtlingsparlament** ist eine Struktur auf nationaler Ebene, die es Flüchtlingen ermöglicht, politische Entscheidungen zu beeinflussen.

* **Brückenbauer_innen** ist ein Netzwerk von Geflüchteten, die zu Vermittlern für Neuankömmlinge in ihren Gemeinden geworden sind.

* **Maison de santé communautaire (Kanton Jura)** ist eine interkulturelle medizinische Initiative, die Medizin und soziale Integration verbindet.

* **„Neues Wir“** ist ein Kulturprogramm, das Flüchtlinge in Theater- und Poesieaktivitäten einbezieht.

Was empfiehlt das UNHCR?

Die Organisation fordert staatliche Strukturen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf, „die Beteiligung von Flüchtlingen in ihre Politik und Prozesse zu integrieren.“ Zu den Empfehlungen gehören: die Einführung nationaler Standards für die Beteiligung und ein wirksames Monitoring;

  • Finanzierung von Initiativen, die von Flüchtlingen selbst geleitet werden (Refugee-Led Organizations, RLOs);
  • Schaffung von Mechanismen für ein „frühzeitiges Engagement“ unmittelbar nach der Ankunft in der Schweiz;
  • Steigerung der fachlichen Kompetenz von Sozialarbeitern in Engagementfragen.

Der UNHCR-Bericht erinnert uns einmal mehr daran, dass Flüchtlinge nicht nur Menschen sind, die Verlust und Flucht erlebt haben, sondern auch Träger von Erfahrungen, Wissen und Potenzial. Integration ist nicht Assimilation, sondern die gemeinsame Schaffung eines neuen „Wir“.

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