Nachhaltige Entwicklung beginnt mit einer Chance

Von Olena Krylova

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen wirken oft abstrakt. Man begegnet ihnen in Berichten, auf Konferenzen oder in politischen Strategien. Tatsächlich entscheiden sie sich jedoch an ganz anderen Orten: in einem Klassenzimmer, am ersten Arbeitstag oder in einem Gespräch, das den Weg zu einer neuen beruflichen Perspektive eröffnet.
Für die Schweiz sind zwei dieser Ziele im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung besonders relevant: Ziel 4 – Hochwertige Bildung und Ziel 8 – Menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Beide kreisen letztlich um dieselbe Frage: Was braucht ein Mensch, um nach der Flucht wirklich neu anfangen zu können?
Vier Jahre gemeinsamer Arbeit mit aus der Ukraine vertriebenen Menschen haben gezeigt: Die meisten brauchen niemanden, der ihre Zukunft für sie gestaltet. Sie brauchen die Möglichkeit, sie selbst in die Hand zu nehmen.
Diese Möglichkeit kann ein Sprachkurs sein, der auf einen konkreten Beruf vorbereitet. Sie kann in einer Begegnung mit Menschen liegen, die den Schweizer Arbeitsmarkt kennen. Oder in einer Gemeinschaft, in der vorhandene Erfahrungen und Kompetenzen gesehen werden – anstatt wieder bei null beginnen zu müssen.
Genau hier versteht USB seine Rolle: nicht als Hauptakteur, sondern als Teil der Infrastruktur, die einen Neuanfang ermöglicht. Jede Woche begegnen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an ihre Forschung anknüpfen, Musikerinnen und Musikern, die wieder auftreten, Ingenieurinnen und Ingenieuren auf dem Weg zur Anerkennung ihrer Qualifikationen, jungen Menschen, die ihre Ausbildung fortsetzen, und Unternehmerinnen und Unternehmern, die neue Ideen verwirklichen. Sie alle verbindet nicht ihre Fluchterfahrung, sondern ihr Entschluss, weiterzugehen.
Die Agenda 2030 kann nicht allein von Regierungen umgesetzt werden. Wissenschaft, Sport, Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und lokale Gemeinschaften tragen gemeinsam Verantwortung. Gerade diese Zusammenarbeit gehört zu den Stärken der Schweiz.
Aus diesem Grund ist USB auch der Swiss Platform Agenda 2030 (https://www.swissplatformagenda2030.ch) beigetreten – einem Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Sportlerinnen und Sportlern, Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Kultur, jungen Menschen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich gemeinsam für eine rasche Umsetzung der Agenda 2030 und der Nachhaltigen Entwicklungsziele in der Schweiz einsetzen.
Unser Beitrag dazu ist bewusst bescheiden. Wir vernetzen Menschen, schaffen Begegnungsräume und eröffnen Möglichkeiten. Was daraus entsteht, liegt in den Händen derjenigen, die diese Chancen ergreifen.
So wird Ziel 4 mehr als Bildung. Ziel 8 mehr als Beschäftigung. Und nachhaltige Entwicklung beginnt dort, wo ein Mensch die Chance erhält, seine Zukunft selbst zu gestalten.

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